Investitionen in das Know-how
________________________
Sabine Bauer, Philosophin und Medientheoretikerin, lokalisierte die Ursachen der staatlichen Überwachungsmanie in der zunehmenden Mündigkeit der BürgerInnen, die durch die Möglichkeiten des Internet verstärkt aus hierarchischen und bürokratischen Strukturen heraustreten und sich dadurch der staatlichen Kontrolle zunehmend entziehen. Eine Metapher hierfür sei das Verlassen autoritärer kirchlicher Strukturen im 15. und 16. Jahrhundert. Der Verdacht der Häresie von damals entspricht den heutigen Versuchen einer Stigmatisierung von HackerInnen. Die Industrie leiste dem Staat dabei Schützenhilfe. Ihr Interesse ist es, durch sichere Transaktionen das Vertrauen der UserInnen zu gewinnen. Bauer sprach von einer "Verschwisterung von Industrieanliegen und Staatsinteressen." Dabei würden viele Argumente der Überwachung wie Seifenblasen zerplatzen, wenn mehr in das Know-how der UserInnen investiert werden würde, anstatt in die Methoden der Überwachung.
Mentale Änderung. Sabine Bauer schloss sich den Forderungen Eisenrieglers an, machte aber verstärkt auch die Wirtschaft für die Desinformation der UserInnen verantwortlich. Die Wirtschaft habe scheinbar kein Interesse, Schulungen innerhalb ihrer Unternehmen anzubieten, die die Hintergründe des Netzgeschehens zum Inhalt haben. Auch darüber hinaus gibt es kaum fundierte Informationen über Sicherheitsproblematiken im Internet. Neben Aufklärungsarbeit nannte es Sabine Bauer für unumgänglich "auf mentaler Ebene eine Änderung herbeizuführen." Die Fachkräfte aus der IT-Branche müssten innehalten, Entwicklungslinien abzustecken, und sich nicht vom Sog des "Hype" vereinnahmen lassen.