Resolution des Senats der Universität Innsbruck
Bezugnehmend auf vorangegangene Resolutionen der Österreichischen Rektorenkonferenz und der Senatsvorsitzenden sowie anderer österreichischer Universitäten im Zusammenhang mit der Bildung der neuen Bundesregierung, sich distanzierend von jeglichen Aussagen einzelner österreichischer Politiker, die die Prinzipien der Toleranz und des Respekts vor anderen verletzen, insbesondere von Verharmlosungen von Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus, unter Verurteilung aller Formen der Diskriminierung aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Religion und Nationalität, in ernsthafter Berücksichtigung der von mehreren ausländischen Regierungen sowie internationalen und inländischen Organisationen zum Ausdruck gebrachten Besorgnis, daß einige Mitglieder einer der Regierungsparteien nicht zu den durch die Europäischen Verträge bzw. durch die Vereinten Nationen als grundlegend und verpflichtend erklärten Werten stünden, unter Hinweis auf die wichtige Rolle der Universität Innsbruck in Vergangenheit und Gegenwart als Gastinstitution für ausländische Studierende und Wissenschaftler, die über 20 % ihrer Angehörigen ausmachen, mit Besorgnis Sanktionen und Boykottmaßnahmen ausländischer Regierungen gegen die Republik Österreich registrierend, mit Bestürzung die Folgen dieser Maßnahmen und der Äußerungen einzelner ausländischer Politiker beobachtend, insbesondere die Diskriminierung österreichischer Bürgerinnen und Bürger und der Republik Österreich und ihrer Akademiker anläßlich internationaler Kooperationen in den Bereichen Studium und Forschung, im Bewußtsein der drohenden Gefahr, daß eine solche Entwicklung zu ernsthaften Verletzungen der Prinzipien der Europäischen Gemeinschaft und der Charta der Vereinten Nationen führen könnte, zum Schaden des Prozesses der europäischen Integration und der internationalen Zusammenarbeit, und in der Befürchtung, daß eine solche Entwicklung auch die internationalen Aktivitäten der Universitäten und der akademischen Gemeinschaft ernstlich beeinträchtigen wird, hat der Senat der Universität Innsbruck folgende Resolution beschlossen:
1. Er ersucht die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft, in einen vorurteilslosen Dialog mit ihren österreichischen Partnern einzutreten und alle Formen der akademischen Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten und noch zu intensivieren, um die Fähigkeit der österreichischen akademischen Institutionen zu stärken, ihre Pflichten zur Bewahrung und Verbreitung des Geistes der Internationalität von Studien- und Forschungsprogrammen zu erfüllen.
2. Er fordert dazu auf, daß Kooperationen mit österreichischen akademischen Institutionen und ihren Angehörigen im Geiste wechselseitigen Verständnisses und unter Wahrung von akademischen Werten und Leistungen durchgeführt werden und auf der Basis der Erklärungen und Verträge erfolgen, die im bilateralen und multilateralen Bereich durch die Regierungen unterzeichnet worden sind.
3. Er ersucht dringend, daß alle diskriminierenden Vorgehensweisen gegen Österreich, die österreichische Bevölkerung und gegen österreichische Studierende und Forschende unterlassen werden, beziehungsweise in jenen Fällen, wo sie bereits unter Verletzung der Prinzipien der Gleichheit von Menschen und Völkern implementiert wurden, zurückgenommen werden.
4. Er appelliert an die österreichischen Politiker aller Parteien, diese Resolution mit allen ihnen zur Verfügung stehenden politischen wie privaten Möglichkeiten aktiv zu unterstützen.
27. März 2000